Mittwoch, 19.06.2019 17:39 Uhr

Muslime, Juden und Christen bauen gemeinsam Haus in Afrika

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln/Berlin, 18.03.2019, 17:37 Uhr
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Köln/Berlin [ENA] Kirchliche Führer Zentralafrikas haben an Deutschland appelliert, mit Hilfe seines Einflusses als Mitglied des UNO-Sicherheitsrats eine Verschlechterung der Lage in dem Land zu verhindern. Der Erzbischof von Bangui, Kardinal Dieudonné Nzapalainga, sagte, russische Sicherheitsberater, Warlords aus Uganda und Milizen aus Ländern wie Tschad und Sudan liessen sein Land zum “Abfalleimer der Region” werden.

Dem Pressedienst des Kölner Erzbistums zufolge äusserte sich der Kardinal aus der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) im Rahmen des Runden Tisches Zentralafrika, der vom Erzbistum Köln mitgegründete wurde. In dem interreligiösen Gremium hätten sich katholische, muslimische und protestantische Religionsführer aus dem Krisenstaat getroffen und “wichtige Fortschritte” erzielt. „Unsere Religionen werden instrumentalisiert für militärisch-politische Interessen. Dagegen wehren wir uns. Gemeinsam“, sagte Imam Layama Kobine laut der Mitteilung. Die Geistlichen hätten mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), das künftig einen Vertreter in das Gremium entsenden möchte, und dem Auswärtigen Amt gesprochen.

Seit Abzug der Franzosen vor zwei Jahren seien zunehmend russische Sicherheitsberater in Zentralafrika aktiv. „Die Konkurrenz in diesem ‚Kampf der Elefanten‘ vor Ort ist groß und hilft unserem Land nicht weiter“, so Kardinal Nzapalainga. „Wir sind der Abfalleimer der Region.“ Sogenannte „Warlords“ aus Uganda – Stammesführer, die die militärische Macht übernommen haben – nutzten die ZAR als Rückzugsgebiet; Milizen aus dem Tschad, dem Sudan und anderen Ländern kontrollierten die Diamant- und Goldminen des Landes und terrorisierten die Bevölkerung. Nur zwanzig Prozent des Staatsgebiets seien unter der Kontrolle der Regierung in Bangui.

Der sogenannte Runde Tisch Zentralafrika, der zweimal jährlich tagt, ist ein Zusammenschluss der kirchlichen Entwicklungsorganisationen Missio Aachen, Misereor, ELM, Inovarca, House of One sowie dem Erzbistum Köln. Ziel ist die Unterstützung der interreligiösen Plattform in ihrem Bemühen um Frieden in dem von Krisen geschüttelten Land. In dem multireligiösen Land werde mit Unterstützung der Stiftung House of One jetzt ein „House of Peace“ errichtet. „Das Haus ist auch ein gebautes Symbol dafür, dass die Religionen in der Zentralafrikanischen Republik nicht gegeneinander stehen“, sagte Kardinal Nzapalainga.

In zwei Wochen begönnen deutsche und afrikanische Studenten mit der Ausarbeitung erster Entwürfe für ein Haus der interreligiösen Begegnung und des gemeinsamen Gedenkens in Zentralafrika. Im Frühjahr soll auch in Berlin der Grundstein für ein House of One gelegt werden, das laut Trägerverein weltweit einmalig ist und Juden, Christen und Muslimen eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach bietet, aber auch ein Haus für die, die den Religionen fern stehen, betont der Verein. Das Land Berlin, das Bundesinnenministeriums und das Auswärtige Amt unterstützen den Trägerverein. 2016 erhielt das House of One €3,3 Millionen vom Bund, Land Berlin und aus dem Fonds Nationale Projekte des Städtebaus.

Zentralafrika ist laut Caritas ein Land, das seit Jahren von Krieg, Terror und der daraus folgenden Verelendung der Bevölkerung verfolgt wird. Mit dem Sturz von Präsident François Bozizés 2013 kam es dort zu einer Welle der Gewalt; mehr als 500.000 Menschen flohen in die Nachbarländer. Die Übergangsregierung brachte keine Ruhe. Zwischen Dezember 2015 und März 2016 fanden ein Verfassungsreferendum, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die Regierung kontrolliert derzeit nicht viel mehr als ein Fünftel des Landes. Die Hauptmilizen Seleka und Anti-Balaka zerfallen in zahlreiche bewaffnete Teilbewegungen. Um ihre Kriegsökonomien durch Einnahmen aus Diamanten und Tropenholz aufrechtzuerhalten, kämpfen sie gegeneinander, sagt Caritas.

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